Krankentagegeld - wenn die Arbeit plötzlich stillsteht
Warum Krankenversicherung allein nicht immer ausreicht
Eine Krankenversicherung übernimmt medizinische Kosten. Sie ersetzt jedoch nicht automatisch das Einkommen, das bei längerer Arbeitsunfähigkeit wegfallen kann.
Gerade deshalb gehört bei der Absicherung nicht nur die Frage „Wie bin ich medizinisch versorgt?” dazu, sondern auch: Was passiert finanziell, wenn ich für mehrere Wochen oder Monate nicht arbeiten kann?
Was ist Krankentagegeld?
Eine Krankentagegeldversicherung zahlt nach Ablauf einer vereinbarten Karenzzeit einen festgelegten Betrag für jeden Tag einer ärztlich festgestellten Arbeitsunfähigkeit.
Das Ziel: eine krankheitsbedingten Einkommensausfall abzufedern.
Wie hoch das Krankentagegeld sein sollte und ab welchem Zeitpunkt es benötigt wird, hängt insbesondere von der beruflichen Situation ab.
Angestellte: Was passiert nach sechs Wochen?
Angestellte erhalten bei Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich zunächst bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber.
Danach verändert sich die Situation.
Privat versicherte Arbeitnehmer erhalten nicht automatisch gesetzliches Krankengeld. Deshalb sollte bereits beim Abschluss der PKV geprüft werden, wie hoch der tatsächliche Einkommensbedarf ab diesem Zeitpunkt ist.
Typischerweise wird das private Krankentagegeld bei Angestellten deshalb so abgestimmt, dass es nach dem Ende der Entgeltfortzahlung einsetzt.
Selbstständige: Besonders wichtig
Für Selbstständige kann eine längere Erkrankung besonders schnell zu einer finanziellen Belastung werden.
Fällt die eigene Arbeitsleistung aus, fehlt häufig unmittelbar ein Teil oder sogar das gesamte Einkommen.
Deshalb kann hier eine deutlich kürzere Karenzzeit sinnvoll sein - beispielsweise nach wenigen Tagen oder mehreren Wochen, abhängig davon, wie lange vorhandene Rücklagen und laufende Betriebseinnahmen den Ausfall auffangen können.
Auch freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige sollten ihren Krankengeldanspruch genau prüfen. In der GKV besteht dieser nicht automatisch in jeder freiwilligen Mitgliedschaft. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein gesetzlicher Krankengeldanspruch ab der siebten Woche gewählt oder ein Krankengeld-Wahltarif abgeschlossen werden.
Wie hoch sollte die Absicherung sein?
Das vereinbarte Krankentagegeld sollte sich am tatsächlichen Einkommensausfall orientieren.
Dabei geht es nicht nur um laufenden private Ausgaben wie:
Miete oder Finanzierung
Lebensunterhaltungskosten
Versicherungen
Altersvorsorge
Bei Selbstständigen können zusätzlich weiterhin betriebliche Kosten anfallen, obwohl vorübergehend weniger oder keine Einnahmen erzielt werden.
Das Krankentagegeld darf dabei grundsätzlich nicht zu einer finanziellen Besserstellung gegenüber dem tatsächlichen Erwerbseinkommen führen. Bei Selbstständigen orientiert sich die mögliche Höhe deshalb am nachweisbaren Einkommen.
Warum die Karenzzeit so wichtig ist
Je früher ein Kranketagegeld einsetzen soll, desto höher fällt in der Regel der Beitrag für diese Absicherung aus.
Deshalb sollte die Karenzzeit nicht pauschal gewählt werden.
Wer ausreichen finanzielle Rücklagen besitzt, kann einen längeren Zeitraum selbst überbrücken. Wer dagegen stark auf sein laufendes Einkommen angewiesen ist, benötigt möglicherweise einen früheren Leistungsbeginn.
Fazit: Gesundheit Absicherung bedeutet auch Einkommen absichern
Eine längere Erkrankung ist belastend genug. Finanzielle Sorgen sollten diese Situation möglichst nicht zusätzlich verschärfen.
Eine gut abgestimmte Krankentagegeldabsicherung sorgt dafür, dass nach dem Ende der Lohnfortzahlung oder bei einem krankheitsbedingten Verdienstausfall weiterhin planbare Einnahmen vorhanden sind.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viel abzusichern, sondern genau den Zeitraum und die Höhe zu wählen, die zur eigenen beruflichen und finanziellen Situation passen.